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Die ungleichen Zwillingserker

 

Die Jacobsstraße besteht aus zwei Abschnitten: Zwischen der Gartenallee und der Minister-Stüve-Straße wird sie zu beiden Seiten von Robinien gesäumt, während der andere Teil keine Bäume aufweist. Wer von der Minister-Stüve-Straße kommt und durch den baumfreien Abschnitt in Richtung Falkenstraße geht, der sieht auf der rechten Seite die drei benachbar­ten Häuser Nr. 7, 5 und 3. Jedes dieser Häuser hat zur Straßen hin zwei Erker.

Wer genauer hinsieht, wird feststellen, dass sich die beiden Erker von Haus Nr. 3 und 5 jeweils gleichen wie ein Ei dem anderen. Anders bei Haus Nr. 7: Hier gibt es kleine Unterschiede zwischen den Erkern. Was ist die Ursache?

 

Jacobsstraße 3, 5 und 7Südlicher Abschnitt der Jacobsstraße mit Blick in Richtung Falkenstraße im Juni 2009. Die drei Häuser auf der rechten Seite haben jeweils zwei Erker. Der rechte Erker des Hauses Nr. 7 (siehe Kreis) weist bei näherem Hinsehen Unterschiede zu seinem linken Zwillingsbruder auf.

[Foto: Michael Jürging]

 

Klaus Müller, Eigentümer und langjähriger Bewohner, kennt die Antwort. Sein Großvater Julius Müller, von Beruf Baumeister und Architekt, hatte die Häuser Jacobsstraße Nr. 4 bis 7 erbauen lassen. Klaus Müller zog im Jahre 1932 als 6-jähriger mit seinen Eltern in das Haus Nr. 7: Fünfzimmerwohnung im Parterre für 35 Mark Monatsmiete.

Er erläutert anhand eines Fotos, dass es sich bei dem veränderten Erker um eine Narbe des zweiten Weltkrieges handelt. Bereits im Juli 1941 - und damit noch deutlich vor den groß­flächigen Luftangriffen auf Hannover ab dem Herbst 1943 - schlug eine einzelne britische Fliegerbombe in den rechten Erker ein.

 

Jacobsstraße 7 Juli 1941Der rechte Erker des Hauses Nr. 7 wurde im Juli 1941 von einer Bombe zerstört.
Im Bildmittelgrund wird die Jacobsstraße von der Minister-Stüve-Straße gekreuzt.

[Foto: Privatbesitz]

 

Familie Müller erhielt die Nachricht im Urlaub per Telegramm - mit dem Zusatz: „Kein Personenschaden." Die Einschlagstelle der Bombe war seinerzeit noch eine Rarität, die etliche Schaulustige anlockte.

Bereits 1942 wurde die beschädigte Fassade des Hauses Nr. 7 samt Erker wieder aufgebaut. Zu der Zeit ahnte wohl noch niemand, mit welcher Wucht der Krieg bald auch auf die deutsche Zivilbevölkerung zu­rückschlagen würde.

[Quelle: Nach einem mündlichen Bericht von Klaus Müller aus dem Februar 2008 aufge­zeichnet von Michael Jürging]

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